Montag, 13. September 2010
Wahlkampf in Wien
Ich trage das schon seit einiger Zeit mit mir herum, manch eine_r ist auch schon in den Genuß meiner Polemik gekommen. Jetzt nochmal langsam, zum Mitschreiben, zum Abschreiben, wenn Du so willst.

Wahlkampf in Wien heisst sich auf einiges gefasst machen müssen. Weil eigentlich geht's um nichts, das Eichhörnchen nährt sich hier am Hungertuch. Und dennoch spielen sie alle mit, weil einen Präsidentschaftswahlkampf, den kann man sausen lassen, aber um die Hauptstadt spielen sie mit. Wer weiß, es könnt' ja was passieren und man will sich sicher nicht vorwerfen lassen, man sei nicht bereit Verantwortung zu übernehmen.
Außerdem ist es eine schöne Tradition.

Die ÖVP nutzt die Gelegenheit ein bisschen Geld in die Agentur Headquarter zu investieren. Parteifreund Ulmer ist dort Chef und kommt mit einer Kampagne, die mehr Fragen aufwirft, als klärt. Abgesehen von Deutschkurs und dem freundlichen Häupl, verstören mich die Photos, die für die Plakatserie ausgewählt worden sind.
Stell Dir vor, Du hast einen Kandidaten, der ist nicht besonders photogen. Ok. Machst halt 500 Photos, 1000 Photos, weil: brauchst eh nur eins. Nimmst halt einmal fünf. Und dann wählt irgendwer wichtiger, der die Wahl auch gewinnen will das Bild aus, das die Bezirksorganisation Mariahilf jetzt plakatiert hat? Das geht mir einfach nicht in den Kopf.

Und, immerhin ist es auch nicht im Netz zu finden. Die junge ÖVP, vielleicht dass ich das bei der Gelegenheit schon anmerken darf, freut sich über "das Traumergebnis von 100 Prozent" mit dem der Herr Hammerer im sechsten wieder zum Obmann gewählt worden ist. Gab's denn einen Gegenkandidaten? Auf 100% Wahlergebnisse stolz zu sein ist irgendwie von vorgestern. Da ist die JVP natürlich nicht die einzige, aber trotzdem, da ist doch was nicht ganz kosher.

Auch wenn die Frau Marek gerne das Bundesheer durch die Hauptstadt patroullieren lassen wollte, der undankbare Posten der Wiener ÖVP Chefin ist schon ok mit ihr besetzt. Ganz im Gegenteil, dass ihr ihre Berater_innen davon abgeraten haben, das Photo für den Wahlkampf zu verwenden, mit dem das Wirtschaftsministerium letzte Woche dem Profil zum 40er gratuliert hat, das find ich schade. Weil da wirkt sie mal sympatisch. Zugegeben, auf dem Sujet, das sie zeigt hat sie schon auch was, ein hintegründiges Lächeln auf jeden Fall. Aber jetzt soll sie wegen den Zähnen den Mund nicht mehr aufmachen dürfen? Ich denk mir ja immer, die Zeiten, wo man fehlerlose Halbgötter in hohe Posten gewählt hat seien vorbei. Und schaun wir uns die Konkurrenz an: der Häupl ist blad (wird auch geschlankt im Photoshop), die Vassilakou trägt ihre Zahnlücke mit Stolz, die Kommunisten verzichten ideologischerweise auf eine herausstechende Persönlichkeit. Und der mit den Wimmerln im Gesicht darf ja auch keinen Bart tragen, weil ihm, so denk ich mir das, die Berater_innen abgeraten haben. Aber es täte der Haut halt viel besser, das ständige Rasieren wegzulassen!

Bringt mich auf meine Achseln, aber das ein ander Mal.

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